Stell dir vor, du kannst morgen nicht mehr arbeiten. Nicht mehr das tun, wofür du jahrelang ausgebildet wurdest und wofür du heute gut bezahlt wirst. Die Frage ist nicht, ob dir das passieren kann – sondern ob du für diesen Fall wirklich abgesichert bist.

Die meisten Klienten, die ich berate, haben eine BU-Versicherung. Das Problem: Viele haben die falsche. Abgeschlossen irgendwann, empfohlen von einem Bekannten, ohne die Klauseln zu kennen, die im Ernstfall wirklich zählen. Und im Ernstfall – wenn du nicht mehr kannst – ist es zu spät, nachzubessern.

Hier sind die Fehler, die ich immer wieder sehe.

Fehler 1: Keine berufskonkrete Klausel

Der wichtigste Begriff in deiner BU heißt: „zuletzt ausgeübte Tätigkeit". Klingt technisch, ist aber entscheidend. Eine gute BU zahlt, wenn du deinen konkreten Beruf nicht mehr ausüben kannst – also genau die Tätigkeit, die du zuletzt ausgeübt hast. Eine schlechte BU sagt: Solange du irgendeinen anderen Beruf ausüben könntest – egal ob dieser deiner Ausbildung und deinem Einkommen entspricht – bist du nicht berufsunfähig.

Das ist kein Randfall. Das ist der häufigste Grund, warum Menschen im Leistungsfall leer ausgehen.

Was du brauchst: Eine BU, die auf deine zuletzt ausgeübte Tätigkeit in ihrer konkreten Form abstellt – nicht auf das, was du theoretisch noch machen könntest.

Fehler 2: Zu niedrige Rente

Als Assistenzarzt denkst du vielleicht: 2.000 Euro BU-Rente reichen erstmal. Tun sie nicht. Der Gedanke dahinter ist verständlich – Beiträge sparen, wenn das Gehalt noch klein ist. Aber die BU-Rente sollte deinen tatsächlichen Bedarf im Ernstfall decken: Lebenshaltung, Miete, laufende Kosten, und vor allem: die fehlenden Beiträge in die Altersvorsorge.

Faustformel: Mindestens 70–80 % deines Nettoeinkommens. Als Facharzt oder Niedergelassener bedeutet das schnell 4.000–6.000 Euro monatlich.

Angestellter, 38 Jahre, Nettoeinkommen 5.800 €/Monat. BU-Rente: 2.500 €. Lücke: 3.300 € pro Monat – über 20 Jahre wären das fast 800.000 €, die nicht da sind. Dazu kommen fehlende Rentenpunkte und wegbrechende Altersvorsorge.

Fehler 3: Keine Nachversicherungsgarantie

Dein Leben verändert sich: Gehaltssprünge, Niederlassung, Familie, Immobilienkauf. Eine gute BU wächst mit dir mit – ohne erneute Gesundheitsprüfung. Das nennt sich Nachversicherungsgarantie.

Ohne sie bist du gefangen: Willst du die Rente erhöhen, musst du erneut durch die Gesundheitsprüfung. Und wenn sich in der Zwischenzeit gesundheitlich etwas verändert hat – was schneller passiert als die meisten denken – wirst du entweder abgelehnt oder zahlst massive Risikozuschläge.

Fehler 4: Psychiatrische Ausschlüsse

Burnout. Depressionen. Angststörungen. Das klingt nach etwas, das anderen passiert – bis es einem selbst passiert. Hochleistungsberufe mit Verantwortung und Druck gehören zu den Gruppen mit dem höchsten Burnout-Risiko überhaupt. Und genau diese Erkrankungen werden von vielen BU-Versicherern ausgeschlossen – entweder pauschal oder weil du beim Abschluss „irgendwann mal kurz beim Psychologen warst".

Psychische Erkrankungen sind der häufigste BU-Leistungsgrund in Deutschland. Wer diesen Bereich ausgeschlossen hat, hat im Zweifel für den wahrscheinlichsten Fall gar keinen Schutz.

Gerade in der Aufbauphase – mit hoher Arbeitsbelastung, langen Tagen und dem Druck im Berufsalltag – ist das Burnout-Risiko erhöht. Wer hier eine BU ohne psychiatrische Ausschlüsse hat, ist wirklich abgesichert. Wer sie nicht hat, ist es nur auf dem Papier.

Fehler 5: Abschluss ohne Fachberatung

Eine BU ist kein Standardprodukt. Die Gesundheitsfragen sind komplex – und wer sie falsch beantwortet, zu viel oder zu wenig angibt, riskiert im Leistungsfall die Anfechtung des Vertrags wegen vorvertraglicher Anzeigepflichtverletzung.

Das ist juristisches Deutsch für: Die Versicherung zahlt nicht, obwohl du Beiträge gezahlt hast.

Ein unabhängiger Makler kennt die richtigen Formulierungen, die richtigen Versicherer und die Tarife, die für dein Berufsprofil und Einkommen wirklich passen.

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Was eine gute BU haben muss

Zur Orientierung – das sind die Kriterien, auf die ich bei der Auswahl für meine Klienten achte:

Fazit: Die BU ist keine Pflicht – sie ist eine Entscheidung

Du musst keine BU haben. Niemand zwingt dich. Aber wenn du dir vorstellst, was passiert, wenn du morgen nicht mehr arbeiten kannst – mit Miete, Familie, Altersvorsorge, laufenden Kosten – dann ist die Frage nicht ob, sondern welche.

Eine schlechte BU ist manchmal schlimmer als keine. Sie gibt dir das Gefühl von Sicherheit, ohne sie tatsächlich zu bieten. Lass deinen Vertrag einmal wirklich prüfen – bevor du ihn brauchst.

Über den Autor

Dominic Steil – Zertifizierter Finanzspezialist · Freier Versicherungsmakler

Dominic Steil berät Angestellte und Selbstständige mit überdurchschnittlichem Einkommen zu PKV, Vermögensaufbau und Absicherung. Er ist DIN 77230 zertifiziert und arbeitet unabhängig von Banken und Versicherungskonzernen.